Montag, 12. November 2012
Vom Grauen
Weit und breit nur Dunkelheit,
alles ruhig und still.
Auch die Uhr lässt sich viel Zeit,
obwohl ich das nicht will.
Plötzlich knarrt es auf dem Flur,
wer kann das nur sein?
Ein aufgeregter Blick zur Uhr -
noch bin ich allein!
Langsam schleiche ich hinaus,
mein Herz schlägt wie verrückt.
Ich muss niesen, nein! Welch Graus!
Hat er mich nun erblickt?
Es scheint wohl so, schon ist er weg,
ich lehn mich an die Wand
und blick verzweifelt auf den Fleck,
wo er noch eben stand.
Erleichterung. Ich hatte Glück,
kann auf Geschenke schauen.
Und noch etwas ließ er zurück:
Ein Stück vom Bart, vom grauen.
Hinweis: Inspirierend hierfür war eine graue Wand. Aus Beton. Ich starre sie jeden Montag 1 1/2 Stunden lang an. Ist nicht sehr spannend.
Mittwoch, 19. September 2012
Dreck in der Nase
Die ganze Zeit trampelst du auf mir rum,
die ganze Zeit frage ich mich, warum.
Was hab ich getan? Was muss ich noch tun,
damit du mal spontan aufhörst, sag! Nun?
Ich warte, ich bin schon echt mal gespannt,
ich glaube, man hat dir das Hirn verbrannt!
Als wäre ich nichts, als wär ich nicht da,
wozu hast du Augen, nimm mich endlich mal wahr!
Böse Absicht ist das ganz gewiss,
ey, samma, das ist doch echt Beschiss,
ich habe Gefühle - das ist dir egal?
Pah! Ich sag dir, das endet fatal!
Ich hab die Schnauze echt mal voll,
ich weiß nicht, was das alles soll,
ich werd's dir zeigen, richtig doll,
ich zahl's dir heim, jetzt gleich, jawoll!
Geschockt? Ach, hol ruhig ganz tief Luft,
mein Ärger ist schon längst verpufft!
Gut gemacht, wie fühlt's sich an?
Tja, reingefallen, junger Mann!
Mein Triumph, bin in Ekstase,
das Leben ist schön - als Dreck in der Nase.
Hinweis: Dieses Gedicht ist Simones Nase gewidmet. (Dass das nicht logisch ist, weiß ich auch, schließlich kann Simones Nase reichlich wenig dafür, dass Simones Füße rücksichtslos umhertrampeln. Aber ich wollte Simones Füßen kein Gedicht widmen. Weiß auch nicht, warum.)
Sonntag, 16. September 2012
Aus einer Rede
Meine Damen, meine Herren,
es ist allseits bekannt,
dass ich der Größte bin im ganzen Land.
Doch mit dieser Aussage ist endgültig Schluss,
weil ich Euch die Wahrheit sagen muss:
Ich bin gar nicht so groß wie ich tue,
ich trage ganz einfach bloß Stöckelschuhe.
Hinweis: Zugegeben, es handelt sich um eine fiktive Rede. Meines Erachtens nach ist sie allerdings sehr denkbar. Es hat bestimmt irgendwann mal irgendsoein König irgendsoetwas gesagt.
Freitag, 20. Juli 2012
Das Anti-Schwänzen-Mathe-Moral-Gedicht (oder auch nicht)
Bei Maria-Magdalena ist alles wie immer -
von Mathe hat se keinen Schimmer
und gerade Geometrie
mochte sie noch nie.
Klausur steht an,
sie denkt daran
und übt und lernt wie sie nur kann.
Klausurtag kommt,
sie fehlt doch prompt.
Dumm gelaufen,
darf nicht verschnaufen -
Panik - aaaaaaaaah!
Was will sie da?
„Jetzt und hier
zeichne mir
eine Strecke!"
„Ich verrecke!",
denkt sie nur,
hat nicht die Spur
'ner Ahnung,
ohne Planung
malt sie drauf los,
Lehrerin sagt rigoros:
„Schade, schade, schade,
das ist eine nicht gerade gerade Gerade.
Ich gebe dir ...
'ne vier."
Das End vom Lied
ist wie man sieht
eine Moral:
Fehlen ist total fatal!
(Also, ... manchmal.)
Hinweis: Dieses Gedicht entstand in Rage! Es ist unbedingt vonnöten, dies bei der Leseweise zu berücksichtigen. Pausen sind einzuhalten. Lange Verse führen zur Beschleunigung. Klar so weit?
Dienstag, 10. Juli 2012
Zwei zwischenzeitlich verlegte Verse
Just beim Lernen wieder aufgetaucht:
1)
Es war nicht sehr schlau,
hierher zu kommen,
ich weiß es genau,
ja, streng genommen
war das sehr dumm.
Zu Hause könnte ich was tun,
hier sitze ich nur stumm herum.
Was mach ich nur, was mach ich nun?
(Hier endet das Gedicht abrupt - der schlaue Leser ahnt, warum.)
-------------------------------------
2)
Ich verschwende meine Zeit,
auch wenn mein Prof stets prophezeit,
dass durch jede Kleinigkeit
der Wissensstand erheblich steigt.
Ich sehe hier nur weit und breit
in den Gesichtern Müdigkeit
und denk: „Wann bin ich bloß befreit?"
Stetig steigt rasant der Neid
auf alle, die in Freiheit
sind, draußen, wo es schneit -
bestimmt. Ich weiß darüber nicht Bescheid,
die Fenster sind hier nicht gescheit
geputzt. Es tut mir wirklich leid,
Herr Prof, ich bin schlicht nicht bereit,
jetzt, wo es da draußen schneit,
hier, so schön mit eingereiht
zu weilen. Verzeiht
mir, ich verschwinde.
Hinweis: Dieses Gedicht entstand im Sommer, gar nicht so lange her. (Es hat nicht geschneit. Leider. Aber es hätte ja wirklich sein können!)
Montag, 4. Juni 2012
Zwerg & Riese (inverse Verse)
Oh seht, da steht ein Zwerg!
Er klettert rasch auf einen Berg
und ist von unten nun recht groß.
Oh nein, was macht er denn da bloß?
Er kommt ins Wanken, stolpert, fällt
und während er sich wieder stellt,
oh je, da fällt ein Stein herab
und trifft den Riesen, zwar nur knapp,
doch schlimm genug -
oh Schreck,
der Hut, den dieser trug
weht weg.
Der Riese sprintet hinterher -
das gefällt dem Zwerglein sehr.
Oh Schreck, ein Loch, der Riese fällt
und wie er sich so wieder stellt,
ist er von oben nun recht klein.
Oh je, was fällt dem Zwerg nur ein?
Er springt hinab und trifft ihn knapp
noch auf dem Riesenkopf - Hut ab!
Oh nein, der Riese klettert aus dem Loch
geschwind heraus und greift auch noch
nach seinem Hut.
Oh seht, das steht ihm wirklich gut:
Ein kleiner Zwerg, dank riesen Mut,
befindet sich im Riesenhut.
Hinweis: Hier habe ich mir wirklich ganz besonders viel Mühe gegeben. Eine ausführliche Gedichtinterpretation könnte sich lohnen!
Sonntag, 3. Juni 2012
Ein wohl verdienter Dank
Sie ist überall und nirgendwo,
wandelt sich in ihrer Form
teilweise schon echt enorm
und macht mich stetig froh.
Weil ich mich an sie lehnen kann,
wann immer ich es will.
Sie nervt nicht, sie ist immer still
und zieht mich schlichtweg in den Bann.
Sie anzustarren stört wohl kaum -
man hat ja sonst nicht viel zu tun.
Tatsächlich hilft's, sich auszuruhen,
und sie ist da - in jedem Raum.
Sie wird an Vieles angehängt,
an Fels, Glas, Holz und Stein,
ja, sogar an auf, vor und an ein * -
die Möglichkeiten sind unbeschränkt!
Man kann sie auch sehr hübsch behängen,
mit Hackfleisch oder was auch immer.
Häufig sind es in 'nem Zimmer
Bilder, die sich ihr aufdrängen.
Wie ich es drehe und auch wende,
es geht doch nichts über die Wände!
Wisst ihr, was ich klasse fände?
Würdet ihr das auch so sehen. Ende.
* schreibt man dann nur nicht mehr klein
Hinweis: Ich wollte nur ein einziges Mal das umarmende Reimschema verwänden (<- das ist Kunst. Neologismus. Lobt mich dafür!), das ist schrecklich schwierig. Ich werde es wohl nie wieder tun. Aber es passte so gut zum Thema, ich wollte nämlich schon immer mal der allgegenwärtigen Wand danken... Ha, zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen! Dankt auch ihr der Wand und verzeiht mir die Holperer im Gedicht, ich sehe das jetzt als erledigte Aufgabe an. Abgehakt. Macht's gut, Freunde!
Freitag, 11. Mai 2012
Warum das Wasser Wasser heißt
Ein forscher Forscher stand hoch oben
und begann sich selbst zu loben:
„Hach ja, auf mich ist echt Verlass,
da ist was Neues - blaues Nass!"
Sein Forscherkumpel,
er hieß Humpel,
schrie von hinten, etwas kess:
„Blödi, sag, wie nennst du es?"
Erschrocken, ob der harten Worte,
- er war von recht sensibler Sorte -
verlor er beim Wort „Blödi" schlicht
sein sonst so gutes Gleichgewicht.
So ließ der Mann im Fallen
„Was? Aaaaaaah!" nach oben hallen.
Humpel, der nicht ganz verstand,
dachte sich nur: „Allerhand!
Er benennt es nicht nach sich -
löblich ... und verwunderlich."
Beim Notieren des Worts „Wasser"
wurde Humpel immer blasser,
weil er nun realisierte,
was vorher passierte.
Voll Schuldgefühle und vor Schreck
rannte er für immer weg,
ward fortan nie mehr gesehen,
ja, so, ist es wohl geschehen ...
und begann sich selbst zu loben:
„Hach ja, auf mich ist echt Verlass,
da ist was Neues - blaues Nass!"
Sein Forscherkumpel,
er hieß Humpel,
schrie von hinten, etwas kess:
„Blödi, sag, wie nennst du es?"
Erschrocken, ob der harten Worte,
- er war von recht sensibler Sorte -
verlor er beim Wort „Blödi" schlicht
sein sonst so gutes Gleichgewicht.
So ließ der Mann im Fallen
„Was? Aaaaaaah!" nach oben hallen.
Humpel, der nicht ganz verstand,
dachte sich nur: „Allerhand!
Er benennt es nicht nach sich -
löblich ... und verwunderlich."
Beim Notieren des Worts „Wasser"
wurde Humpel immer blasser,
weil er nun realisierte,
was vorher passierte.
Voll Schuldgefühle und vor Schreck
rannte er für immer weg,
ward fortan nie mehr gesehen,
ja, so, ist es wohl geschehen ...
Montag, 7. Mai 2012
Das Phänomen des Beamerschalters (inverse Verse)
Kaum ist der Beamerschalter an,
ist allseits üble Laune dran.
Die Vorlesung, die just begann,
zieht niemanden in ihren Bann.
Kaum ist der Beamerschalter aus,
erklingt ein tosender Applaus.
Studenten rennen fröhlich raus -
die Vorlesung ist endlich aus!
Sonntag, 6. Mai 2012
Das Bäumchen und der Wind (inverse Verse)
Es weht geschwind
ein Wind.
Da fällt - kawumm -
ein Bäumchen um.
Schade drum.
Kein Windchen weht,
es ist zu spät,
das Bäumchen steht
hinterher
auch nicht mehr.*
* Die Invertierung missglückt an dieser Stelle. Ich hätte ohne Wind beginnen müssen, aber das ist mir zu spät aufgefallen - sind es eben nur halbinverse Verse. Man beachte die gelungene Invertierung des Reimschemas!
Der Hampelmann (inverse Verse)
Es war einmal ein Hampelmann,
der fing niemals zu hampeln an.
Weshalb er damit nicht begann?
Nun, man sagte, er tät gut daran,
ganz ruhig zu sein, Geduld sei fein...
Tatsächlich hatte es den Schein,
als wäre er deshalb allein -
kein Menschlein, noch so klein,
mochte ihn. Nur durch sein
untypisches Verhalten.
Hätten die dummen Alten
damals doch die Klappe gehalten!
Es war einmal ein Hampelmann,
der fing sofort zu hampeln an.
Weshalb er damit nur begann?
Nun, man sagte, er tät gut daran,
zu tun, was sich für ihn gehört.
Kein Menschlein hat sich dran gestört,
vielmehr waren alle sehr betört
und riefen laut: "Hört, hört!
Ich hab den tollsten Hampelmann,
seht doch, was der hampeln kann!"
Solch fröhliche Gestalten,
will ein jeder bei sich halten!
Beobachtung am Bahnsteig
Menschen rennen scharenweise
über Wetzlars Bahngleise,
weil se denken: „Scheiße!
Ich bin in einem Teufelskreise -
doch zu meinem Verdruss:
Ich muss.
Sonst verpass ich meine Reise."
(Und zahlt' umsonst die hohen Preise...)
Vier völlig verschiedene Vorlesungsgedichte
Mit einer Gemeinsamkeit: Sie alle tragen keinen Titel.
1)
Interessant...
...find ich die Wand.
Ungelungen...
...die Vorlesung.
-------------------------------------
2)
Eine gute halbe Stunde
sollte doch im Grunde
gar nicht all zu lange dauern,
doch zu meinem Bedauern,
kann ich machen, was ich will -
die Zeit steht still.
-------------------------------------
3)
Ich tu einfach, als würd ich schreiben,
in Wahrheit lass ich's aber bleiben.
So spannend ist das wirklich nicht,
was der da vorne alles spricht
und weil es auf den Folien steht,
ist es sinnlos, dass er rät,
man solle aufrecht sitzen
und die Ohren spitzen,
jedes Wort mitschreiben...
Nein, das lass ich lieber bleiben!
-------------------------------------
4)
Es kam ein Arm daher,
dran hang leider Herr Teer.
Er gab sich Mühe - sogar sehr!
Und trotzdem mocht' ihn keiner mehr,
weil er klebte ... an Herr Teer.
„Der arme Arm", dachte der,
„das Leben ist nicht immer fair."
„Recht hat er", dachte er -
der arme Arm von Herr Teer.
Hinweis: Den Namen des Professors habe ich sicherheitshalber abgewandelt, man kann ja nie wissen... Übrigens entstanden all diese Gedichte in seiner äußerst spannenden Vorlesung.
Eine fröhliche Erkenntnis
Manchmal regnet es,
dann ist es nass.
Manchmal fahr ich gleichzeitig Auto,
das macht wirklich Spaß!
Dann trau ich meinen Augen kaum,
es ist wie in 'nem tollen Traum,
ich schaue durch den ganzen Raum,
sehe Straßen, Wegrand, Baum...
- und all das
wird nass.
Ich hingegen
kann mich fröhlich fortbewegen,
ein Regenschauer kann mich nicht schocken -
ich bleibe ja trocken.
Die Eintagsfliege
Lise wäre morgen einen Tag alt geworden.
Gratulationen mochte sie immer sehr.
Leider ist sie abends überraschend verstorben -
gratulieren konnte ihr keiner mehr.
Staub
Ein Staubkorn sitzt an meinem Tisch.
Ich mach' das Fenster auf und es wird frisch.
Das Staubkorn bleibt an meinem Tisch.
Es ist zu kalt, ich mach' das Fenster zu,
mein Blick zum Tisch, ich denk: „Nanu?"
Das Staubkorn ist nicht mehr allein,
es lud sich lauter Freunde ein.
Vom sinnlosen Schreiben
Ich würd so gerne was Sinnloses schreiben,
doch früher oder später lass ich's immer bleiben,
denn sobald ich am sinnlosen Schreiben bin,
merk ich auf einmal: Ich krieg's nicht hin!
Sinnlos zu sein ist auf einmal der Sinn...
Das ist blöd und der Beweis:
Ich bin in einem Teufelskreis.
So einfach werd ich nicht aufgeben,
ich sage euch, in meinem Leben
wird's irgendwann was Sinnloses geben!
Gutelaunetipp
Geht es dir mal richtig schlecht,
nichts erfreut dich mehr so recht,
dann hab ich einen Tipp für dich
- unter Vorbehalt: Versprich
mir, dass du dankbar bist,
und Kummer nicht mehr in dich frisst,
denn das ist ja wohl wirklich Mist!
Bist du nun schon am Weiterlesen,
so hast du armes Menschenwesen
dies Versprechen abgegeben -
unbrechbar - für dein ganzes Leben.
Das Tolle ist: Mein Tipp kann noch so sinnlos sein,
du fielst ja auf den Trick herein!
Jetzt fällt dir wohl nichts besseres ein
als fluchend ganz laut los zu schreien -
und trotzdem musst du dankbar sein
und fröhlich, hach, was ist das fein!
Nun denn, du sollst den Tipp erhalten:
Probier mal einen Stift zu spalten!
Dichtereien zum Parfum
Diese Gedichte verfasste ich einst, weil wir in Deutsch (13. Klasse) gezwungen wurden, ein Lerntagebuch zum Parfum anzulegen, ich absolut keine Lust hatte, ausführliche Charakterisierungen zu schreiben und so geschickt darum herum kam - ohne eine schlechte Note zu erhalten!
1) Dies ist ein Gedicht aus Grenouilles Sicht:
Laure
Frühling, Frühling wird es sein,
bunte Blumen, Sonnenschein!
Leuchtende Augen, sie strahlen vor Glück,
das zauberhafte Gefühl lässt keinen zurück.
Denn jeden reißt es mit in das Meer der Gefühle –
Komm! Nimm ein Bad im fröhlichen Gewühle!
Ein tiefer Atemzug und schon siehst du nur
die pure Schönheit der Menschen und die der Natur.
Doch wo kommt so plötzlich diese Laune nur her?
Eine Antwort darauf fällt dir nicht schwer:
Es sei eine Frau, die bezaubert,
bei deren Anblick es ein jeden vor Glück nur erschaudert.
Doch jetzt pass auf! Ich sag dir den Grund:
Es ist nicht das Lächeln, der liebliche Mund!
Es ist nicht das Wetter, der sonnige Launenretter, nein!
Es ist der Duft, der Duft in der Luft.
Es ist das Parfum – von mir, aus ihr…
---------------------------------------------------------
2)
Und weil das Dichten so viel Freude macht,
habe ich mir gleich noch was ausgedacht:
Diese Szene wird uns erzählen,
welche Gedanken Baldini so quälen.
Wie es dazu kam ist schnell gesagt:
Graf Verhamont hatte nach 'nem Parfum gefragt,
Baldini daraufhin: „Kein Problem!
Ich mach was Neues, du wirst schon sehen!“
Chénier hatte derweil wohl recht gehabt
und an >Amor und Psyche< von Pélissier gedacht.
Denn Baldini war alt und seine Nase war stumpf,
was er so hervorbrachte roch höchstens nach Sumpf.
Das war auch noch nie wirklich anders gewesen,
aber Genaueres kann man ja im Buch nachlesen…
Wir befinden uns nun also in Baldinis Zimmer –
hier riecht es nach Frangipaniwasser – wie immer…
„Da steh ich nun, ich armer Thor!
Und bin so klug als wie zuvor –
Ach, wie gut kann ich Faust verstehen,
sich nach dem Unerreichbaren zu sehnen,
doch lohnt es sich in meinem Leben
nicht nach dem Übersinnlichen zu streben…
Und genau deswegen ist es besser dieses Streben aufzugeben.
[Nach diesen tiefsinnigen Gedanken, kommt seine Laune nun ins Wanken.]
Was soll das auch? Ich tue nichts Falsches!
Zu meinen Blütezeiten galt es
das Handwerk richtig zu betreiben,
nicht ohne Regeln Rezepte zu schreiben!
[Hier merkt man schon: er wird jetzt sauer, die Stimme wird deshalb auch rauer…]
Dieser widerliche Pélissier –
wenn ich nur dessen Namen seh…
Sein Patent gehört entzogen!
Nicht nur mich hat er betrogen!
Er ist ja nicht mal Parfumeur -
und trotzdem stellt er Düfte her!
Das ist nicht recht! Das darf nicht sein!
Kaum stell ich mich auf seine blöden Düfte ein,
platzt er auch schon mit einem neuen Trend herein.
Und die Menschen in der Stadt
hat er voll in seiner Macht –
Sie fallen alle darauf rein
Und kaufen haufenweise Düfte bei ihm ein.
[Sein Hassen lässt sich folglich kaum in Worte fassen.]
Der hat Paris bestimmt noch nie verlassen!
Neben meinen Fähigkeiten können seine nur erblassen!
Ich bin nicht nur Apotheker, Alchimist,
Handwerker und Humanist,
Gärtner, Händler, nein - noch mehr!
Und dieser Essigpanscher? Ich bitte sehr,
Der gehört ja wohl überhaupt gar nicht hierher!
Parfumeur will er sein?
[An dieser Stelle lacht Baldini in sich rein: „Hahaha“]
Nein!
Vermutlich hat er blühenden Jasmin noch nie gesehen,
In den alten handwerklichen Zeiten könnte der niemals bestehen!
Und deshalb spricht auch nichts dagegen,
sein Parfum als meines auszugeben.“
Sprach er und verbreitete den längst besorgten Duft
>Amor und Psyche< von Pélissier in der Luft.
[Nun sehen wir also klar: Was Chénier vermutete wurde tatsächlich wahr. Naja, nicht ganz: Er wollte es nicht kaufen – vielmehr wollte er sich den Kopf zerraufen und das Kopieren probieren, um nicht zu viel Geld zu verlieren – aber trotzdem war Chénier nah dran – er kannte ihn gut, den alten Mann…]
Starterklärungstestblogeintrag
So, das wäre er, mein erster Blog. Hübsch, nicht wahr? Nachdem der Titel schon so misslungen ist, gebe ich mir hier natürlich besonders Mühe. Die bunte Schrift, die diesen Eintrag so hässlich und unwichtig wirken lässt, ist eine Hilfe für euch. Es handelt sich hier nämlich um ein äußerst modernes Gedicht! Es hat keine Form, aber es reimt sich. Die Kunst besteht darin, das Ganze so zu lesen, dass man das merkt.
Weshalb ich aber eigentlich hier schreibe ist nicht etwa, um neue Maßstäbe in der modernen Dichtkunst zu setzen, sondern, um euch, der imaginären, hoch geschätzten Leserschaft, mitzuteilen, was folgen wird. Zunächst sind das noch keine inversen Verse, sondern ältere Gedichte, die ich auf diese Art und Weise aufhebe, um mich in 100 Jahren selbst auslachen zu können. Danach folgt eine Reihe von Vorlesungsgedichten, die ebenfalls nicht invers sind und erst dann wird es endlich blogtitelgerecht zur Sache gehen. Ob ich das nach den zwei bereits existierenden Gedichten beibehalte, steht dabei auf einem anderen Blatt, aber der Titel ist dadurch schon mal gerechtfertigt, finde ich.
Hinweis: Gut, ich gebe zu, teilweise muss man die Wörter etwas seltsam aussprechen, insgesamt ist es doch eher dämlich und es reimt sich lange nicht so viel, wie ich gehofft hatte, aber das konnte ich vorher ja nicht wissen.
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